Kategorie: Gastro

Die Wilderin | Innsbruck

Dieses kleine Restaurant in der Innsbrucker Altstadt ist wieder ein Beispiel dafür, dass man die Sachen von denen man überzeugt ist nur glauben muss und sie konsequent umsetzen muss. Nur dann kann man auch andere damit begeistern und schlußendlich auch wirtschaftlich erfolgreich damit sein. Und das Konzept dieser „Jäger, Fischer und Sammler“ ist gewagt und genial zugleich! Die Macher bauen nämlich nicht nur ihr eigenes Gemüse an, sondern in der Karte ist bei jedem Gericht zu lesen, woher z.B. das „Grauviehmilchkalb namens Christa“ herkommt. Außerdem haben sie es sich zur Aufgabe gemacht ganze Tiere (Nose to Tail) zu verwenden! Derzeit so aktuell wie schon lange nicht mehr. Natürlich gibt es dadurch hier auch regelmäßig Innereien bis hin zum Rinderhoden.

Erster Besuch im September 2017

Das Lokal ist genauso unauffällig und versteckt wie man sich die Namensgeberin vorstellt. Aber trotzdem sehr zentral direkt in einer Seitengasse von der Herzog-Friedrich-Straße. Der erste Besuch ist mal wieder Foursquare zu verdanken, wo das Lokal auf Platz 2 in Innsbruck und mit 8,3 von 10 Punkten gelistet ist. Und dem entsprechend ist es auch sehr gut besucht und ich habe Glück, dass ich noch einen Platz bekommen habe.

Das Lokal selbst ist nicht allzu groß, eher schlicht eingerichtet, hat zwei Ebenen und gut besucht. Die Speisekarte hat nur eine Seite mit vier Vorspeisen, sechs Hauptspeisen und zwei Desserts. Modern und knapp gehalten mit Zutatenauflistung. Was natürlich sofort auffällt sind die Herkunftsinfos für die Zutaten, insbesondere für die Tiere, bei denen man sogar den Namen erfährt. Wem das noch nicht genug ist, bekommt hinter einem an der Fotowand auch noch bildliche Nachweise dafür, dass das Wilderer-Team ein ganz besonderes Verhältnis zu den verwendeten Produkten hat. Mich begeistert das jedenfalls sofort.

Als Vorspeise entscheide ich mich für das Roastbeef vom Grauviehmilchkalb (9,50€), das auf einer Schieferplatte serviert wird und sich schon mal als großartiger Einstieg erweist. Dazu hatte ich mir vorher schon ein Spezialitäten Bier bestellt, ebenfalls eine gute Wahl. Beim Hauptgang hatte ich mich spontan für die Tagesempfehlung entschieden, Gamskotlettes mit Gries und Blumenkohl (19,50€). Natürlich außergewöhnliches Fleisch, aber leider auch etwas zäh, aber sehr schmackhaft. Ob das normal ist kann ich als Ersttester leider nicht beurteilen. Als Dessert gibt es schließlich Grieß-Schmarrn mit Zwetschgenröster (6€), an dem es absolut nichts zu meckern gibt.

Zweiter Besuch im März 2018

Beim zweiten Besuch im März 2018 bin ich etwas früher dran als beim ersten Mal und es ist noch nicht ganz so voll. Es ist aber dennoch schon gut reserviert, ich komme an der Theke unter und werde direkt freundlich von meinen Nachbarn begrüßt, die offenbar regelmäßige Stammgäste sind. Vorher hatte ich mich schon mal auf der Internetseite umgesehen und festgestellt, dass die zum Jahreswechsel mal aufgefrischt wurde und lohnt sich auf jeden Fall mal drauf zu schauen und sich über die Herkunft und Hintergründe der verwendeten Lebensmitteln zu informieren. Zum Start nehme ich erneut ein Bier, diesmal ein Kellerbier. Nach dem ich bei meinem Nachbarn an der Theke schon das verlockende Tagesdessert bewundern konnte, habe ich dafür entschieden auf die Vorspeise zu verzichten. Als Hauptgang viel dann die Wahl auf das Geschnetzelte vom Hausschwein „Sebastian Eder“ vom Osttiroler Stoanahof mit Chinakohl, Karotten, Lauch und offenbar hausgemachten Spätzle (18,50€). Das Geschnetzelte war mir persönlich zwar eine Spur zu durchgebraten, aber das knackige Gemüse und die köstliche Rahmsoße machten das locker wieder wett. Auch der Gelbe Muskateller passte großartig dazu. Und auch die Dessertempfehlung (6€) sah nicht nur umwerfend aus, sondern war auch die ultimative Schokoladen-Erfüllung!

Die Wilderin | Seilergasse 5 | 6020 Innsbruck | Fon +43 512 562728
info@diewilderin.at | www.diewilderin.at | Di-So ab 17 Uhr

 

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Hotel Karwendel | Achensee

In Pertisau am wunderschönen Achensee in Tirol gehört das 4-Sterne-Superior Apine Wellnesshotel Karwendel von Familie Rieser defintiv zu einem der besten Häuser am Platze. Neben dem spektakulären und 2.800 qm großen Wellnessbereich ist auch die Gastronomie ein echtes Highlight. Immerhin hat Küchenchefin Stefanie Rieser mit ihrem Team bereits 14 Gault Millau Punkte also eine Haube sowie eine Falstaff Gabel erkocht.

Im November ist hier Zwischensaison und die meisten Häuser in Pertisau haben bis zum Start der Wintersaison geschlossen. Das Karwendel hat glücklicherweise geöffnet und ist auch am Montag gut gefüllt. So bekomme ich auch leider keinen Platz mehr in den neugestaltenen Josefistube bzw. dem Panoramarestaurant Lichtspiel. Aber auch im großen Barbereich sitzt gemütlich. Ich starte erst mal mit einem Zillertaler Hellen und beim Essen mit einer Champagner-Senf-Suppe mit Garnele (6,50€) als Vorspeise. Sie wird modern in einem Tupperglas mit der Garnele auf dem Deckel serviert. Leider war der Hunger nach der Wanderung durch Pertisau so groß, dass ich vergessen habe ein Foto zu machen.

Da ich mich beim Hauptgang für einen Tiroler Zwiebelrostbraten mit Bratkartoffeln und Speckbohnen (17,50€) entschieden habe, steige ich auf den roten Hauswein um. Ein Cuvée aus Blaufränkisch, St. Laurent und Zweigelt vom Weingut Glatzer (0,125l für 5,20€), der perfekt zum Hauptgang passt. Auch der von der Senior-Chefin servierte Rostbraten überzeugt, auch wenn das Fleisch ungewöhnlich dünn geschnitten ist, wenn man ihn mit dem schwäbischen Rostbraten vergleicht. Trotzdem ist das Fleisch zart und noch rosa. Die Kombination von geschmelzten Zwiebeln in der leckeren Soße und Röstzwiebeln ist sehr schön und die Bratkartoffeln bestehen aus halbierten Drillingen.

Auch wenn natürlich mit einer üppigen Portion zu rechnen war, kann ich mich nicht beherrschen noch einen Kaiserschmarrn mit Zwetschgenröster (11,50€) zu bestellen. Außerdem möchte ich noch den Cuvée aus Welschriesling und Sauvignon Blanc vom Weingut Pfaffl probieren (0,125l für 4,90€). Und der stellt sich als großartige Wahl heraus. Frisch und fruchtig wie erwartet und dazu unheimlich rund im Geschmack. Auch der fluffige Schmarrn, der stilecht in einer gußeisernen Schüssel serviert wird, rundet mit dem Röster ein tolles Essen ab. Man sollte ihn sich aber besser zu zweit teilen.

Hotel Karwendel | Pertisau 54a/54b | 6213 Pertisau | +43 52435284 | www.karwendel-achensee.com

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Bunker´s | Palma

Wenn das Lokal Streetfood aussieht und aus der Küche der reinste Hochgenuss rauskommt, dann ist die Überraschung perfekt und man kann ganz entspannt im Urlaubsdress angehende Sterneküche genießen!

Der wunderbare Zufall ist dafür verantwortlich, dass wir überhaupt im Bastard gelandet sind. Wir wollten nämlich an einem Sonntag im August einfach nur im angesagten Ausgehviertel Santa Catarina essen gehen und mussten feststellen, dass hier die meisten Lokale sonntags Ruhetag haben. Und dann kam uns zu Gute, dass ich regelmäßig die Checkin-App „Foursquare“ nutze und diese mir gerade im Moment unserer Ratlosigkeit drei Vorschläge machte. Der vorgeschlagene Asiate und Mexikaner fiel sofort raus und so landeten wir im Bastard. Mit nur 21 Plätzen hatten wir dann auch noch das Glück noch drei Plätze für uns zu ergattern und wir sollten es nicht bereuen uns auf die Algorithmen von „Foursquare“ verlassen zu haben.

Das Bastard ist wie gesagt sehr klein und verfügt innen nur über zwei große Gemeinschaftshochtische rechts und links, sowie zwei kleinen Tischen für 2-3 Personen in der Mitte. Außerdem haben sie noch zwei kleine Außentische direkt am Fenster, über die auch bedient wird. Die Einrichtung ist sehr legair und alternativ mit bunt gemischten Möbeln. Auch das junge und tätowierte Personal im einfachen Casual-Look erinnert einen auch eher an eine einfach Kneipe, als ein hochpreisiges Restaurant. Und spätestens wenn man dann hinter der Theke die winzige „Küche“ mit vier einfachen Elektoplatten und dem Koch (und gleichzeitig einem der Chef´s ) und Helfer erblickt, ist man sehr gespannt was da wohl rauskommen wird.

Für den ersten Durst bestellen wir bei dem freundlichen Mitarbeiter erst mal drei Bier, die uns dann auch schnell in den in Spanien nicht unüblichen „Wassergläsern“ serviert werden. Zum Essen empfiehlt er uns die Spagetti Carbonara mit Safransoße und Trüffel, die an diesem Tag ganz besonders toll wären. Beim Blick in die nicht zu großen Speisekarte entdeckten wir auch den Preis hierfür, der mit 24€ ähnlich hoch wie die weiteren Hauptgerichte lag.

Als Vorspeise haben wir uns schließlich zweimal für das Beef Tatar mit Trüffel und Eiersoße „Cirighin“ für 20€ und den Octupus Salat mit grünen Bohnen, Basil Pesto und Rote Beete Sorbet (17€). Schon als die Teller kamen, konnten wir sofort erkennen, dass der Lokal-Look pures Understatement ist und das wir es hier mit angehender Sterneküche zu tun haben. Auch geschmacklich ließen die Vorspeisen nichts zu wünschen offen. Deshalb bekam der Chef in der Küche, der uns über die Küchentheke gebeugt fragend anguckte, auch sofort drei Daumen nach oben als Feedback.

Bei den Hauptgängen hatten wir uns für drei unterschiedliche Gerichte entschieden. Die empfohlenen Spagetti Carbonara. Hummer mit Spinat, Geflügelleber und karamelisierter Ananas. Sowie Lammrücken mit Knoblauch, Rosmarin, Artischoke, Pilzen und Himbeersoße (23€). Sowohl der Hummer, als auch das Lamm waren absolut großartig und optisch als auch geschmacklich perfekt. Aber die empfohlenen Spagetti waren schlichtweg der Hammer. Ich kann mich nicht erinnern, das ich mal so geniale Spagetti, geschweige denn Carbonara gegessen habe! Schon die an sich waren schon hervorragend, aber zusammen mit der Safransoße und dem Trüffel machten das ganze so außergewöhnlich gut, dass ich kurz davor war diese Offenbarung noch als Dessert zu bestellen.

Das Team konnte uns aber überzeugen, dass ihr Dessert nicht weniger köstlich ist und der zu jedem Dessert passende Süßwein gab schließlich den letzten Ausschlag. Wir entschieden uns für zweimal Mouse, einmal Tiramisu und wurden auch hier alles andere als enttäuscht!

Bastard | Calle Soler esq. Calle Pursiana, 07013 Palma de Mallorca | +34 971 22 05 04

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La Quincaillerie | Brüssel

Ein Einheimischentipp ist natürlich immer am besten, wenn man in eine fremde Stadt reist. Und auch im Fall der europäischen Hauptstadt kam mir das mit dem französischem La Quincaillerie unweit vom Europa-Viertel zu gute. Hier begeistert nicht nur die ungewöhnliche Räumlichkeit und aufwendige Weihnachtsdekoration, sondern auch Essen und Preis!

Zum Thalys-Jubiläum mit günstigen Ticketangeboten bot sich ein Tagestrip nach Brüssel natürlich an und wie der Zufall es wollte hatte ich am Vorabend auch noch Gäste aus der europäischen Hauptstadt, die mir zwei Restauranttipps für das Mittagessen geben konnten. Nach einem kurzen Check bei „Foursquare“ und „TripAdviser“ entschied ich mich schließlich für das im bürgerlichen Kastanienviertel liegt (Bezirk Ixelles). Erstmal ist man beeindruckt von der industriell anmutenden Lokal auf zwei Etagen und die opulente Weihnachtsdeko. Trotzdem fällt natürlich auch die große Electra Kaffeemaschine von Anfang des 20. Jahrhunderts, die man auch nicht mehr so häufig sieht.

Ich starte erstmal mit einem belgischen Bier vom Faß und freunde mich schnell mit dem Lunch Menü mit jeweils vier Vorspeisen und Hauptgängen zur Auswahl für 17,95€ an. Als Vorspeise nehme ich die Austern. Das Lokal ist nämlich für die große Austern-Auswahl bekannt, darunter nicht nur französische sondern auch irische Sorten (6 Stück zwischen 15€ und 25€). Im Menü gibt es klassische Fine de claire. Also Hauptgang gibt es einen großartigen Lammeintopf und dazu einen soliden Chardonnay aus Frankreich. Zum Abschluss gönne ich mir noch eine klassische Tarte tatin mit Vanilleeis und Schlagsahne.

Das ausgesprochen günstig angebotene Menü macht absolut Lust auf mehr, auch wenn man bei der Abendkarte deutlich tiefer in die Tasche greifen muss, schließlich gehen die Hauptgänge bei knappen 18€ los. Aber die Qualität scheint es absolut Wert zu sein!

La Quincaillerie | Edelknaapstraat / Rue de Page 45, 1050 Brussel | 02/533 98 33 | www.quincaillerie.be

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El Nacional | Barcelona

Das El National gibt es nun schon seit drei Jahren in unmittelbarer Nähe des Placa de Catalunya und ist alles andere als ein einfaches Restaurant. Vielmehr handelt es sich bei der Location um ein ehemaliges Jungendstil-Parkhaus, das komplett entkernt wurde und nun eine Art „Genuss-Mall“ ist. Hier werden also thematisch unterschiedliche kulinarische „Lokale“ bzw. Bereiche unter einem Dach vereint und auch alle von einem Betreiber geführt. Es hat ein bisschen was von Markthalle, wenn man rein kommt. Nur ohne Marktstände und edler. Denn man kann nicht übersehen, dass sich hier Inneneinrichter richtig austoben konnten und Geld eine untergeordnete Rolle gespielt hat.

Ins Auge fällt sofort der große Barbereich, der sich mittig durch die Halle zieht. An den beiden Seiten reihen sich dann die einzelnen Bereiche aneinander und teilweise kann man auch schon aus der Ferne erkennen was es hier geben wird. Zum Beispiel durch den überdimensionalen Holzfisch über dem Fischbereich. Groß ist auch der Tapasbereich, wo ich mich schließlich an der Theke niederlasse, weil ich eigentlich schon Mittags reichlich gegessen hatte. In der Vitrine an der Theke gibt es nur wenige Tapas zum Aussuchen, denn hier kommen immer wieder Bedienungen aus der Küche mit großen Tablettes vorbei und bieten einem frisch zubereitete Kleinigkeiten auf kleinen Tellern oder Schüsseln an.

Das macht wirklich sehr Spaß, ist aber auch sehr verführerisch und gefährlich. Bei den großartig präsentierten Leckereien kann man nämlich nur schwer nein sagen und kann nur vermuten was sie kosten. Auf der Rechnung stellt sich dann heraus, dass es wohl verschiedene Preisstufen gibt und eh ich mich versehen habe, hatte ich für meine Testrunde fast 50€ vergessen und vertrunken. Obwohl das ein stolzer Preis ist, bin ich begeistert von dem Konzept und der Location. Also absoluter Pflichtbesuch für den nächsten Barcelona-Besuch!

El Nacional | Passeig de Gràcia, 24 | 08007 Barcelona | +34 955185053 | www.elnacionalbcn.com

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